„Wer heute als Lohnbeschichter in Deutschland im internationalen Wettbewerb bestehen will, muss sich klar vom Standard abheben“, erklärt Deniz Ünal, Geschäftsführer der Colour-Line Oberflächentechnik GmbH. Der Beschichtungsexperte ist seit mehr als 30 Jahren ist in der Branche tätig und weiß, worauf es im Markt ankommt. Für ihn sind eine hohe Beschichtungsqualität, wirtschaftliche Abläufe sowie eine zuverlässige und ausbaufähige Anlagentechnik entscheidend für den Erfolg. Auf dieser Grundlage hat sich das 2019 gegründete Unternehmen aus Bad Saulgau bewusst im oberen Qualitätssegment positioniert. Denn die Energiepreise in Deutschland liegen im internationalen Vergleich weiterhin auf hohem Niveau. Für energieintensive Betriebe stellt dies einen strukturellen Wettbewerbsnachteil dar, der insbesondere im preisgetriebenen Standardsegment spürbar wird.
Rentabel beschichten in GSB- und DB-zertifizierter Qualität
Colour-Line begegnet diesem wirtschaftlichen Umfeld mit einem energieeffizienten Gesamtsystem mit eigener Stromerzeugung und Abwärmenutzung, leistungsfähigen Fertigungsprozessen sowie einer anspruchsvollen Dienstleistungsstrategie. Das Leistungsspektrum ist entsprechend breit angelegt und auf gehobene Qualitätsansprüche ausgerichtet. Mit Zertifizierungen nach GSB und DB stellt der Lohnbeschichter sicher, dass seine Prozesse dauerhaft definierten Standards entsprechen. Neben Stahl und Aluminium verarbeiten die Bad Saulgauer sämtliche leitfähigen Substrate, die thermisch bis 220 °C beständig sind. In der Anlage laufen Werkstücke vom handlichen Kleinteil bis zu Bauteilen mit Abmessungen von 6 x 2 x 2,6 m und einem Stückgewicht von bis zu einer Tonne. Auch die Branchenstruktur ist breit gefächert und reicht von Schienenfahrzeugen über Caravaning bis hin zur Medizintechnik. Um diese Marktposition langfristig zu sichern, passt Colour-Line sowohl die Gebäudetechnik als auch die Pulverbeschichtungsanlage kontinuierlich an. Neben der Erweiterung des Energiekonzepts durch eine Photovoltaikanlage investierte das Unternehmen in den vergangenen Jahren vor allem in den Ausbau der Produktion. Bereits drei Jahre nach der Inbetriebnahme wurde mit dem Einbau eines Beschichtungsautomaten die erste größere Erweiterung umgesetzt.
Höhere Produktivität kosteneffizient nachrüsten
Ursprünglich war die Anlage für den manuellen Betrieb ausgelegt, lediglich die Vorbehandlung arbeitete automatisiert. Der komplette Arbeitsbereich mit Waschkabine, Haftwassertrockner, Pulversprühkabine, Ofen sowie Auf- und Abgabestationen ist auf rund 500 Quadratmetern konzentriert. Unter diesen Bedingungen waren Automatisierungslösungen für die Pulverkabine lange Zeit keine praktikable Option. Erst mit der Markteinführung des kompakten Jumbo-Coater® Beschichtungsautomaten von Meeh 2023 änderte sich die Situation. In der Pulverkabine in Bad Saulgau hielt damit die Automatisierung Einzug. Der Einbau verlief bemerkenswert schnell. „Freitag nach Arbeitsende wurde begonnen und am Montag haben wir bereits wieder beschichtet“, erinnert sich Ünal. In weniger als drei Tagen wurden der Automat einschließlich Bediensoftware sowie die erforderliche Brandunterdrückungsanlage und Personenschutz-Lichtleiste in die bestehende Pulverkabine installiert.
Heute wird in der Pulverkabine sowohl manuell als auch vollautomatisch beschichtet. Beim Einsatz des Jumbo-Coater® sinkt die Bearbeitungszeit pro Warenträger um bis zu 70 Prozent, von rund 20 auf im Idealfall sechs Minuten. Gleichzeitig verbessert sich die Qualität deutlich. Mit der schnelleren Applikation verlagerte sich der Engpass jedoch zum Handling der Warenträger. Da zunächst nur eine Querfahrbühne zur Verfügung stand, kam es zu Wartezeiten zwischen den Stationen. Abhilfe schaffte 2025 die Installation einer zweiten Querfahrbühne, die ebenfalls an einem Wochenende ohne Produktionsunterbrechung eingebaut wurde. Seitdem greifen die Arbeitsschritte deutlich besser ineinander. Der Durchsatz der Warenträger stieg von 22 auf 30 pro Tag, sodass Lieferzeiten von drei bis fünf Tagen realisierbar sind. Möglich wurde diese Automatisierung durch den kompakten Aufbau des Jumbo-Coater® Beschichtungsautomaten.
Kompakter Beschichtungsautomat für präzisen Pulverauftrag
Der Beschichtungsautomat ist in einem Stahlrahmen integriert. Auf zwei gegenüberliegende Aufnahmen sind jeweils vier Gema-Automatikpistolen vertikal angeordnet. Der Rahmen läuft horizontal auf zwei Fahrschienen, die an den Querträgern der Pulverkabine befestigt sind und umfasst den von der Kabinendecke hängenden Werkstückträger. Der Pistolenabstand lässt sich variabel einstellen und an die Werkstückbreite anpassen. So können Bauteile bis 300 mm Breite flexibel beschichtet werden. Ein Vibrationstisch am Sockel des Rahmens nimmt handelsübliche Pulverkartons auf und versorgt die Pistolen über eine Ansaugeinheit mit Pulver. Die Leistung ist individuell regelbar. Eine Kalibrierfunktion sorgt für einen identischen Ausstoß aller Pistolen unabhängig von der Schlauchlänge. Im Betrieb bewegen sich die Pistolenaufnahmen vertikal entlang der Werkstücke, während der Automat horizontal verfährt. Eine Personenschutz-Lichtleiste sichert den Zugang zur Kabine und stoppt den Prozess, sobald jemand den Bereich betritt. Die kompakte Bauweise ermöglicht die Integration in bestehende Anlagen und eine Anpassung an unterschiedliche räumliche Gegebenheiten.
Flexibler Ausbau sichert Zukunftsfähigkeit
Ünal ist überzeugt, mit der Entscheidung für das Anlagenkonzept von Meeh den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. „Für uns war entscheidend, dass sich die Anlage flexibel an unsere räumlichen Gegebenheiten anpassen und ohne zusätzlichen Platzbedarf oder lange Stillstandzeiten erweitern lässt.“ Diese Flexibilität zahlt sich im laufenden Betrieb aus. Der Ausbau lässt sich schrittweise umsetzen, ohne die Produktion zu unterbrechen. Gerade unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schafft dies die notwendige Planungssicherheit. Das Beispiel von Colour-Line zeigt, wie sich durch durchdachte Anlagentechnik, kompakte Bauweise und gezielte Erweiterungen auch unter anspruchsvollen Bedingungen wettbewerbsfähige und zukunftssichere Prozesse realisieren lassen.
((Firmeninfo MEEH Pulverbeschichtungs- und Staubfilteranlagen GmbH))
Individuelle Lösungen für anspruchsvolle Aufgaben
Die MEEH Pulverbeschichtungs- und Staubfilteranlagen GmbH wurde 1992 von Ulrich Meeh gegründet und ist ein schwäbisches Familienunternehmen im besten Sinne. Mit rund 70 Mitarbeitenden werden kundenspezifische, individuelle Pulverbeschichtungsanlagen konstruiert, gefertigt, montiert und in Betrieb genommen. Die modulfähigen Anlagen der Eigenmarken JUMBO-COAT® und FLEX-i-COAT® kommen weltweit in fast allen wichtigen Industriebereichen zum Einsatz. Anwendende können in den Pulverbeschichtungs- und Lackieranlagen auch Großteile mit Abmessungen bis 16.000 x 3000 x 4000 mm strahlen, waschen, beschichten und lackieren.
((Firmeninfo Colour-Line Oberflächentechnik GmbH))
Die Colour-Line Oberflächentechnik GmbH in Bad Saulgau ist ein Partnerunternehmen des Systemlieferanten Alu-Line und seit 2019 als Kompetenzzentrum für hochwertige Pulverbeschichtung und Bauteilmontage am Markt tätig. Das Unternehmen beschäftigt 15 Mitarbeitende und beschichtet auf rund 1.500 m² Produktionsfläche Bauteile bis zu sechs Meter Länge und einer Tonne Gewicht. In Kooperation mit Partnerunternehmen ergänzt Colour-Line das Portfolio um Eloxieren, Galvanisieren und KTL-Beschichtung. Kunden aus Medizintechnik, Schienenfahrzeugbau, Maschinenbau und weiteren anspruchsvollen Branchen profitieren dabei von Zertifizierungen nach ISO 9001:2015, GSB sowie DBS 918 340 der Deutschen Bahn.
MEEH Pulverbeschichtungs- und Staubfilteranlagen GmbH
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