Der Verband stützt seinen Bericht auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für Juni 2026 und den ifo-Konjunkturklimaindex vom August 2026. Erfasst sind Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten; die vielen kleineren Betriebe der Branche, darunter viele Stickereien und Veredler, tauchen in den Kennziffern nicht auf.
Weshalb der Juni besser aussieht als das erste Halbjahr
Der Monatswert und der Halbjahreswert erzählen zwei verschiedene Geschichten. Nach Angaben von textil+mode ist die inländische Produktion im Juni 2026 nach deutlichen Einbrüchen im Mai bei Textil um 5,5 Prozent gestiegen, bei Bekleidung dagegen um 1,2 Prozent gesunken. Über das erste Halbjahr fiel der Produktionsrückgang mit 7,2 Prozent bei Textil und 9,5 Prozent bei Bekleidung deutlich aus. Ein einzelner Monat gleicht ein halbes Jahr nicht aus, aber er zeigt die Richtung.
Auch die Auftragseingänge sprechen laut dem Bericht für eine Bodenbildung. Sie schwanken im Zeitverlauf stark, insgesamt scheinen sie bei Textil deutlich zuzunehmen, während sich bei Bekleidung kein eindeutiger Trend ausmachen lässt. Der Auftragsbestand nimmt nach Angaben des Verbands in beiden Teilbranchen zu. Der Verband spricht von vorsichtigem Optimismus, weil die Einschätzungen der Unternehmen im ifo-Konjunkturklimaindex zum dritten Mal in Folge bei mehreren Kennziffern positiv ausfielen.
Welche Kennziffern der Konjunkturbericht für das erste Halbjahr 2026 ausweist
Die Beschäftigung folgt dem Umsatz mit Verzögerung. Laut textil+mode arbeiteten Ende Juni 2026 in der Gesamtbranche 60.893 Menschen, 4,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor; davon entfielen 40.707 auf die Textil- und 20.186 auf die Bekleidungsindustrie. Die Zahl der Textilbetriebe mit mindestens 50 Beschäftigten sank auf 305, die der Bekleidungsunternehmen lag bei 88. Die geleisteten Arbeitsstunden gingen um 4,3 Prozent zurück, also etwas weniger stark als die Umsätze.
Der Konjunkturbericht beziffert das erste Halbjahr 2026 wie folgt:
- Umsatz Textil: 4.863 Millionen Euro, minus 6,7 Prozent
- Umsatz Bekleidung: 2.982 Millionen Euro, minus 8,0 Prozent
- Umsatz Gesamtbranche: 7.844 Millionen Euro, minus 7,2 Prozent
- Beschäftigte Ende Juni: 60.893, minus 4,8 Prozent
- Produktion: minus 7,2 Prozent bei Textil, minus 9,5 Prozent bei Bekleidung
- Erzeugerpreise: plus 1,4 Prozent bei Textil, plus 2,4 Prozent bei Bekleidung
„Eine Branche, die im Halbjahr sieben Prozent Umsatz verliert und im Juni drei Prozent gewinnt, hat keine Trendwende, sondern eine Atempause. Für Veredler zählt jetzt, ob die Aufträge aus Handwerk, Vereinen und Gastronomie den Herbst tragen“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Wie sich Exporte und Importe im ersten Halbjahr entwickelt haben
Der Außenhandel liefert die zweite positive Nachricht des Berichts. Nach Angaben von textil+mode legten die Exporte im Juni 2026 kräftig zu; die Textilexporte des ersten Halbjahres lagen damit um 0,3 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, Bekleidung wurde dagegen um 2,9 Prozent weniger ausgeführt. Die Importe sanken per Juni, sodass ein Einfuhrüberschuss von 16,5 Prozent aufgelaufen ist.
Der Absatz im Inland bleibt verhalten. Der Umsatz im Bekleidungseinzelhandel wies laut dem Bericht per Ende Juni 2026 ein minimales Plus von 0,2 Prozent aus, während der gesamte Einzelhandel im selben Zeitraum um 2,2 Prozent zulegte. Wer Bekleidung verkauft, wächst also langsamer als der Handel insgesamt; wer sie veredelt, hängt an Aufträgen, die nicht aus dem Modehandel kommen.
Warum Berufsbekleidung und Vereinstextilien die Stickerei tragen
Die Stickerei lebt weniger vom Modezyklus als vom Bedarf an gekennzeichneter Kleidung. Handwerksbetriebe, Pflegedienste, Gastronomie und Vereine lassen Firmennamen, Logos und Namen auf Jacken, Polohemden und Kappen sticken, weil ein gestickter Schriftzug Waschgänge und Berufsalltag länger übersteht als ein Druck. Diese Aufträge entstehen in kleinen Losgrößen von zehn bis einigen hundert Stück und werden regional vergeben.
Für Veredler entscheidet die Maschinenausstattung über die Reaktionszeit. Eine Einordnung zu Mehrnadel-Stickmaschinen für Profis und Kleinbetriebe beschreibt, wie sich Farbwechsel, Stichzahl und Rahmengröße auf die Durchlaufzeit eines Auftrags auswirken und ab welcher Stückzahl sich ein Mehrkopfsystem gegenüber einer Einkopfmaschine rechnet.
Worauf die Branche im vierten Quartal 2026 achtet
Ob der Juni ein Ausreißer oder der Beginn einer Erholung war, zeigen die folgenden Monatsberichte des Verbands. Nach Angaben von textil+mode steigt das Konjunkturklima der deutschen Industrie im ifo-Index seit drei Monaten stetig, die Textilunternehmen waren zuletzt vor allem bei den kurzfristigen Erwartungen optimistischer, die Auftragslage bleibt jedoch schwach. Für Stickereien und Veredler fällt der Herbst mit Vereinsbestellungen, Weihnachtsaktionen und der Ausgabe von Winterjacken zusammen. Der Verband veröffentlicht seinen Konjunkturbericht monatlich; die Ausgaben für Juli und August 2026 liegen damit vor, wenn die Herbstaufträge in den Betrieben ankommen.
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