Stillstandsmarkierungen rechtzeitig erkennen

Stillstandsmarkierungen an Zahnflanken von Getrieben sind Schäden. Inwieweit ein Weiterbetrieb möglich und sinnvoll ist, muss anhand des unternehmerischen Risikos und des Sicherheitsrisikos für Mensch und Technik individuell bewertet werden. Pauschale, oft abschwächende Beurteilungen sind riskant.

Die mittlere Rauigkeit von Zahnflankenoberflächen liegt typischerweise bei deutlich weniger als einem Mikrometer. Nur so können Getriebe verschleißarm betrieben werden und sind dann oft über viele Jahre störungsfrei im Einsatz. Stillstandsmarkierungen dagegen hinterlassen lokal begrenzte Oberflächenschäden mit einer Tiefe von mehreren zehntel Millimetern. Schon daraus ergibt sich, dass Stillstandsmarkierungen kein tolerierbarer Schaden sind. Es ist nicht damit zu rechnen, dass solche Schäden „ausheilen“, also durch den Weiterbetrieb eingeglättet werden. Wird ein Getriebe mit solch einem Schaden weiterbetrieben, führt das zu energiereichen Schwingungen, die nicht nur als unangenehmes Geräusch wahrgenommen werden, sondern auch zur Überlastung der bislang ungeschädigten Anlagenkomponenten führen.

Stillstandsmarkierungen entstehen durch Schwingungseintrag in ein nicht in Betrieb befindliches Getriebe. Die meisten Getriebe benötigen den Betrieb, um das Schmiermittel zu verteilen. Selbst bei Umlaufschmierung werden durch die Schmiermitteleinspritzung nicht alle relevanten Stellen erreicht, aber durch den normalen Betrieb eines Getriebes wird der Schmierstoff in alle Kontaktstellen transportiert. Im Stillstand funktioniert das natürlich nicht, was in der Regel unkritisch ist, denn ein Rest Schmiermittel bleibt ja zunächst an den Antriebselementen haften.

Wenn nun aber Schwingungen in das stehende Getriebe eingetragen werden, beispielsweise durch benachbarte Produktionsanlagen oder durch vorbeifahrende Fahrzeuge oder bei Windenergieanlagen schlicht durch den Wind, dann kann das auch zum Schwingen der einzelnen Getriebebauteile führen. Diese Schwingungen sind die Ursache von Mikrobewegungen. Und die Mikrobewegungen führen zunächst dazu, dass der Restschmierfilm verdrängt wird. Nun liegt metallischer Festkörperkontakt vor. Bei weiterem Schwingungseintrag kommt es zu abrasivem Verschleiß, der in die Tiefe der Zahnflankenoberfläche geht. Die Verschleißprodukte lagern sich in unmittelbarer Nähe an und sind dann oft der Ausgangspunkt für Korrosionsprozesse. Es ist also am Ende ein recht komplexer Vorgang, der hier abläuft und als Reibkorrosion bezeichnet wird.

Verhindern kann man Stillstandsmarkierungen nur, indem man bei Stillstand den Eintrag von Schwingungen verhindert oder durch Verspannen dafür sorgt, dass die Antriebselemente keine Mikrobewegungen ausführen können. Das Einfachste dürfte sein, einen Antrieb einfach alle paar Stunden kurz zu bewegen, sofern das technisch möglich ist.

Durch Condition Monitoring lassen sich Stillstandsmarkierungen eindeutig nachweisen. Da sie zu Schwingungen führen, sind sie leicht identifizierbar. So sind eine gezielte Instandsetzung planbar und Sekundärschäden vermeidbar. Das Bild stammt von einer Windenergieanlage. Hier wurden die Stillstandsmarkierungen durch das Online-Condition-Monitoring-System Peakanalyzer erkannt. Aber auch Schwingungsdiagnosen mit mobilen Systemen sind geeignet, um alle Schäden an Antrieben zuverlässig zu identifizieren.

Über die GfM Gesellschaft für Maschinendiagnose mbH

Die GfM Gesellschaft für Maschinendiagnose mbH ist Spezialist für die Diagnose von wälzgelagerten Industriegetrieben. Neben der Schwingungsdiagnose an Antrieben, der Drehmomentanalyse sowie der Inspektion, der Endoskopie und der Rotorblattlagerdiagnose an Windenergieanlagen werden Messgeräte für die Offline-Maschinendiagnose sowie Online-Condition-Monitoring-Systeme entwickelt und vertrieben. Darüber hinaus bietet die GfM Seminare zur Thematik an.

Mittels Schwingungsdiagnose ist es möglich, kleinste Unregelmäßigkeiten an Getrieben und Wälzlagern frühzeitig zu erkennen. Diese Unregelmäßigkeiten können Schäden an Wälzlagern, Zahnrädern und Wellen, Unwucht und Ausrichtfehler sein. Der Betreiber von Maschinen mit mechanischen Antrieben gewinnt so Zustandsinformationen, die ihm die Planung der Instandhaltung erleichtern und ihn vor ungeplanten Stillständen bewahren.

Zur Erfassung von Daten werden Online- und Offline-Systeme angeboten. Die Betreuung der Systeme und Verarbeitung der Daten werden mit Hilfe der Software Peakanalyzer Manager realisiert, mit der auch Daten anderer Quellen vollautomatisiert verarbeitet werden können. Diagnoseberichte und Gutachten haben neutralen Charakter.

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